08.07.07

Die Aufgabenstellung

Einen Mengentext (in diesem Fall Textauszüge aus dem Buch »Die Zukunftsgesellschaft« von Gertrud Höhler) mit rein typografischen Mitteln zu interpretieren und zu inszenieren war die gestellte Aufgabe. Hierbei sollten alle Gestaltungsgrößen der Typografie mit einbezogen werden. Es galt, mit Lesbarkeit, Lesearten und Lesegewohnheiten zu experimentieren.

Die Idee

Beim lesen des Textabschnittes "Der Kreative Prozess" fiehlen mir die, in großer Anzahl vorkommenden »Bläh-Wörter« auf, Worte die augenscheinlich vorrangig dazu verwendet werden, um einem Text den intellektuellen Feinschliff zu geben. Die schönsten Satzfragmente sortierte ich aus, um daraus einen neuen Text zu gießen, ein Gedicht. Ein Gedicht das geradezu lyrisch klingen muss, wenn man bedenkt, dass es nur aus hochgeistigen Formulierungen besteht.

Nun, da der Grundstein der Inszenierung gelegt war, ging es an die Gestaltung des neu entstandenen Textes. Ich entschied mich dazu Plakate zu entwerfen, die auf verschiedene Art und Weise den Tenor des Textes aufzugreifen versuchen – die visuelle Ästhetik der Darstellungen sollte also möglichst unterschiedlich sein. Entstanden sind drei Plakate, die nachfolgend dokumentiert sind.

Der Text




Irrwege verunsichern
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Nachindustriell postmaterielle Informationsgesellschaft,
Experten, Sinnvermittler und Irrwege verunsichern.
Schwellen zu einem neuen Zeitalter, wie?
Konturen der Zukunft … Übergangsstadien.
Die Zukunftstugend par exellence –
verdientsvolle Bilanz der Gegenwart!
Sie muss Irritationen der Übergangsepoche unbedingt überwinden.

Kreativität, !
Bedarf an der, der die Neugierde
durch schöpferischen Wandel anspornt.
Intuition, 1000 Prozent.
Alle müssen von kreativen Leistungen durchsetzt sein,
wenn eine hochindustrialisierte Gesellschaft sich organisieren will.
Als Eindruck von der Vielseitigkeit des Phänomens:

Produktiv,
Divergent,
Originell,
Intensiv,
Nützlich,
eine Gabe, von wem?

Diese Seltenheit der Kombinationen, Erfindungsreichtum,
Phantasie, der Blitz, der Funke, in besonders effizienter Weise,
twentythree Fluency.

Irrwege verunsichern –
eine Gabe?




plakat no.1

Das erste Plakat aus der Serie »Irrwege verunsichern« besteht aus Typografie und einfarbigen Flächen. Die Komposition der Elemente orientiert sich an den Arbeiten von Typografen wie dem Schweizer Wolfgang Weingart oder dem englischen Gestalter Michael Worthington.

Das Spiel mit unterschiedlichen Schriftgrößen ist das vorrangige Gestalltungsmittel. Es entstehen Kontraste, die das Plakat und die Schrift laut und unbequem werden lassen. Dieses Plakat will Aufmerksamkeit. Um trotzdem nicht in einem Typografischen Gewitter unterzugehen finden die Buchstaben und Worte Halt in ihrer horizontalen Ausrichtung. Die Reihenfolge der einzelnen Textabschnitte ist durch Zahlen gekennzeichnet.

no.1 – Details








Ausschnitte aus dem Plakat.

no.1 – das fertige plakat

plakat no.2

Das zweite Plakat aus der Serie basiert auf einem strengen Pixelraster. Das Raster und die Pixeltypografie greifen die Computerästhetik der frühen neunziger Jahre wieder auf.

Durch geringen Farbkontrast zwischen Schrift und »Hintergrund« und durch das Pixelraster, entsteht ein optisches Phänomen – die Schrift flimmert von Nahem vor dem Auge des Betrachters, sie macht sich selbst schwer lesbar, schwer greifbar. Man braucht erst einen gewissen Abstand zum zweidimensionalen »Bildschirm«, um das geschriebene fassen zu können.

no.2 – Details





Das Pixelraster.







Optische Irritation durch Pixelraster und Farbkontrast. Die Schrift beginnt vor dem Auge zu tanzen.

no.2 - Das fertige Plakat

Plakat No.3

Das dritte Plakat aus der Reihe »Irrwege verunsichern« basiert auf einem dreidimensionalen Alphabet. Die verwendeten Buchstaben wurden in einem 3D-Programm erstellt.

Das Plakat besteht aus einem Hauptelement, welches einen Teil des Textes mit den dafür entworfenen 3D Buchstaben darstellt. Der Rest des Textes gruppiert sich um dieses grafische Element herum und verbindet sich mit diesem über Pfeillinien. Die Ästhetik des Plakates bewegt sich zwischen »Bleisatzlettern«, »Lego-Baukasten« und »Architektonischem Konstruktionsplan«.

no.3 – das alphabet in 3d





Das dreidimensionale Alphabet in seiner Grundform.








Outlineansicht des endgültigen Alphabets.










Farbige Ansichten des endgültigen Alphabets.



No.3 – Details & Konzeption




Das Hauptelement der dreidimensionalen Inszenierung in seiner Ausgangsform.







Die übrigen Textstellen werden mit dem Hauptelement verbunden.








Front- und Seitenansicht.







Das Hauptelement mit seinen endgültigen Buchstabenformen.









Verschiedene Ansichten der Inszenierung.

No.3 - die fertigen plakate




Hier sind die beiden endgültigen Plakatversionen von Plakat Nummer drei zu sehen.